Eine virtuelle Festplatte für HATARI / STEEM erzeugen
Wenn Du gerne mit einem Atari-Emulator arbeitest (HATARI oder STEEM), dann kennst Du das Problem: Deine Software für ATARI liegt verstreut auf Deiner Festplatte. Diese kann man zwar schön als GEMDOS-Laufwerk in den Emulator einbinden, aber wäre es nicht besser, dies auf einer "richtigen" Festplatte zu haben? Das hätte auch den Vorteil, dass man diese Datei an Freunde und Interessierte weitergeben kann. Um eine solche IMG-Datei zu erzeugen, braucht es aber einiges an Vorarbeit.
Ein HDD-IMAGE erzeugen
Ein HDD-Image für einen ATARI-Emulator ist im Grunde eine komplette Kopie einer echten Atari-Festplatte in Form einer einzigen Datei. Darin steckt die gesamte Struktur mit Partitionen, Bootsektoren und allen Programmen, genau wie auf der Originalhardware. Emulatoren wie Hatari oder Steem lesen dieses Image so, als wäre es eine physische Festplatte angeschlossen – ideal, um historische Software unverändert zu nutzen.
Beispiel: Wer ein 4-GB-HDD-Image mit GEM-Programmen, Spielen und Demos erstellt, kann dieses im Emulator starten und erlebt das gleiche Dateisystem wie auf einer echten MegaFile oder einer modernen SD4ST. Selbst uralte Installationspfade und Startskripte bleiben funktionstüchtig, ohne dass man eine echte Festplatte am Atari anschließen muss. Ein HDD Image lässt sich nicht nur im Emulator nutzen. Man kann es auch mit einem Programm wie „Win32DiskImager“ direkt auf eine SD Karte kopieren. Steckt man diese Karte in ein Gerät wie SD4ST oder UltraSatan, verhält sich die Karte am Atari genauso wie eine echte Festplatte. Alle Programme, Spiele und Daten aus dem Image stehen sofort bereit, ohne dass man sie extra installieren muss. Damit ein HDD Image am Atari funktioniert, muss es zu der verwendeten TOS Version passen. Jede Version hat feste Grenzen für die Größe einzelner Partitionen, die man kennen sollte, bevor man das Image erstellt oder auf eine SD Karte schreibt.
Hadleys ImageFactory
Da ich es leid war, die Images immer "von Hand" zu erzeugen, habe ich mich hingesetzt und meine Kentnisse in MS-DOS etwas aufgefrischt. Herausgekommen ist die "Hadleys ImageFactory", mit der Du ganz bequem Deine Images für ATARI-Emulatoren, und auch für SD-Karten erstellen kannst. Das Programm ist Freeware und Du kannst es hier downloaden:
TOS Versionen und HDD Images – was passt zusammen
Der Atari kann je nach TOS Version nur bestimmte Größen von Festplattenpartitionen lesen. Das gilt auch für HDD Images.
| TOS Version | Max. Größe pro Partition | Max. Anzahl Partitionen | Hinweis |
|---|---|---|---|
| TOS 1.00 bis 1.04 | 256 MB | 14 | Jede Partition muss unter 256 MB bleiben |
| TOS 1.06 und 1.62 | 512 MB | 14 | Jede Partition muss unter 512 MB bleiben |
| TOS 2.05 und 2.06 | 512 MB | 14 | Mit ICD Pro oder HDDRIVER auch größere Festplatten und mehr Partitionen nutzbar |
| TOS 3.x und 4.x (TT und Falcon) | 1 GB | 14 | Treiberprogramme können den nutzbaren Umfang erweitern |
Die Grenze gilt immer pro Partition, nicht für die gesamte Festplatte oder das ganze Image. Ein vier Gigabyte Image kann zum Beispiel acht Partitionen mit je 512 MB enthalten, wenn es für TOS 2.06 eingerichtet ist.
Die Festplatte formatieren
Ich verwende ICDPRO, um meine Images zu formatieren. Wer etwas Geld in die Hand nimmt, der kann auch den HDDRIVER von Uwe Seimet nehmen, dieser wird immer noch weiterentwickelt und kommt auch mit sehr großen Festplatten klar. Allerdings kostet der Treiber auch 52 Euro. Da wir den Emulator mit TOS 2.06 betreiben, können wir bei dem erzeugten IMG also Partitionen mit 512 MB anlegen. Da passt eine Menge ATARI-Software drauf! Damit wir aber abwärtsompatibel bleiben, formatieren wir nur mir 256 MB.
Leeres IMG in HATARI einbinden
Lade hier die Software ICDPRO als ST-Disk herunter. Starte HATARI und drücke auf F12. Dort wählst Du
- Harddisk ==> ASCI ==> Browse ==> atari_4GB.IMG ==> Back to Main Menu
- Floppy Disk ==> Drive A ==> Browse ==> ICDPRO.ST ==> Back to Main Menu
- Reset machine ==> OK!
HATARI bootet nun automatisch von Laufwerk A, das macht der ATARI immer, wenn keine Festplatte angeschlossen ist. Da sich die ICDPRO-Diskette im Laufwerk A befindet, wird nun auch der Boot-Loader gestartet und die eingebundene virtuelle Festplatte erkannt!
Jetzt ein Doppelklick auf Laufwerk A. Dann noch ein Doppelklicke auf ICDFMT.PRG
Da nur diese eine IMG installiert ist, nehmen wir die auch. ==> WEITER
Dann befinden wir uns im Hauptmenü. Das ist nicht so kompliziert, wie das hier aussieht. Klicke auf die 1 hinter Testläufe:
Aus der 1 machst Du eine 0! ==> OK! Danach klickst Du auf FORMAT. Die folgende Warnung wird übersprungen.
Das sieht komplizierter aus, als es ist. Da wir nur 4 GB in dem virtuellen Laufwerk haben, könnten wir die Funktion SPLITTEN verwenden, allerdings sind nicht mehr als 16 Partitionen möglich. Also doch von Hand. Klicke dazu erstmal auf LÖSCHEN. Jetzt ist die Tabelle leer.
Die erste Partition sollte, so hab ich das gelesen, nicht größer als 16 MB sein. Warum das so ist, kann ich nicht sagen. Die weiteren Partitionen setzen wir auf 255 MB (nur 255 eingeben), setzen das Häckchen unter AN und klicken dann auf NEU BERECHNEN:
Auf diese Weise werden 15 Partitionen erzeugt. Jetzt klickst Du auf FESTPLATTE PARTITIONIEREN. Jetzt wird erstmal gearbeitet, das kann durchaus eine Weile dauern. Wenn Du das hier siehst, war alles gut:
Du bist aber noch nicht ganz fertig. Beende nun ICDPRO und starte HDUTIL.PRG. Dort klickst Du auf BOOT:
Das Programm zeigt Dir jetzt die formatierte Festplatte. Dort wählst Du C aus (ist meistens vorgemerkt) und dann OK. Den nächsten Dialog bestätigst Du ebenfalls. Danach kannst Du das Programm wieder beenden.
Drücke zum Schluss wieder auf F12 und entferne unter Floppy Disk die Diskette, in dem Du auf Eject klickst. Dann Speichern nicht vergessen! Führe nun einen Neustart durch. Jetzt siehst Du das hier, es werden Dir alle Partitionen angezeigt:
Ist der Startvorgang beendet, wähle unter Extras ==> Laufwerke anmelden aus:
Deine PC-Festplatte einbinden
Nachdem Du es geschafft hast ein Image für HATARI zu erzeugen und einzubinden, kannst Du Deine virtuelle Festplatte mit Software füllen. HATARI macht es Dir da einfach, und auch wieder nicht. Drücke F12 und danach Hard Disk:
Unter GEMDOS driver kannst Du Dir ein Verzeichnis aussuchen, welches dann von HATARI eingebunden wird. Im Normalfall wird das immer Laufwerk C:\ sein, denn der HATARI ist hier etwas zickig. Das bedeutet dann nämlich, dass Dein Laufwerk C:\ von Deiner virtuellen Festplatte verschwunden ist! Hier sollte die Funktion Add Gemdos HD after ASCI... helfen, macht es aber nicht zuverlsässig. Bei mir taucht dann das GEMDOS-Laufwerk auf G:\ auf, auch wenn ich extra eine Partition auf dem HDD-Image weglassen. Klingt das kompliziert? Ja, und es nervt.
Die beste Lösung: Ohne Datenverlust auf dem Image geht das nicht. Die erste Partition machst Du einfach gerade so groß, dass der Treiber draufpasst. 10 GB reichen da vollkommen aus. Leider gehen Dir dann aber auch 500 MB auf dem Image verloren! Auf diese Weise kannst Du aber die restlichen 13 Partitionen mit 512 MB einbinden. Und wenn wir ehrlich sind: Da passt auch schon eine ganze Menge Software drauf!
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