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Mein erstaunlicher ATARI 520+

Mein modifizierter Atari ST im Alltagseinsatz

Wenn ich meinen Atari 520+ einschalte, habe ich längst nicht mehr das Seriengerät von damals vor mir. Im Gehäuse steckt eine Mischung aus Ubau und klassischer Hardware, die aus dem Rechner eine Art „Best of ST“ macht. Von außen sieht man nur einen zusätzlichen Schalter, im Inneren arbeiten aber gleich mehrere Modifikationen zusammen. Diesen Rechner habe ich von Ralf Markert bekommen, der dieses Jahr leider viel zu früh verstorben ist und einer der bekanntesten ATARI-Händler seiner Zeit in Deutschland war.

Zwei Betriebssysteme eingebaut

Der Rechner kann mit unterschiedlichen ROM-Konfigurationen starten. Auf der Hauptplatine sitzen mehrere EPROMs, die über eine Umschaltung verbunden sind. Außen am Gehäuse habe ich einen kleinen Schalter, mit dem ich zwischen den Varianten wählen kann. Im ersten Modus läuft der ST mit TOS 1.04 und einem alternativen System namens SBM, das in die ROM-Schaltung integriert wurde. In dieser Konfiguration verhält sich der Rechner wie ein „klassischer“ ST, wie man ihn aus der Spätphase der Achtziger kennt. Viele Spiele und ältere Demos laufen hier am zuverlässigsten. Allerdings mit einem Vorteil, denn ebenfalls in diesem Modus läuft der ATARI deutlich schneller, was sicher auf das alternative Betriebssystem zurückzuführen ist. Zudem wurden die Icons verändert, was mich etwas Überwindung gekostet hat, denn schön sind die nicht. Im zweiten Modus startet der Rechner mit normalem TOS 2.06. Dann wirkt der ST deutlich moderner. Die Dateiverwaltung ist komfortabler, und beim Starten von Programmen fühlt es sich weniger eingeschränkt an. 

Speichererweiterung auf rund 3 MB

Die nächste Besonderheit ist der Arbeitsspeicher. Ursprünglich war dieser ST deutlich sparsamer ausgestattet (512 KB im Ram), heute meldet die Systeminfo etwa 3,1 MB RAM. Dafür sorgt eine eigenständige Speichererweiterung, die quer über einen Teil der Platine sitzt. Sie wird über mehrere Leitungen mit der Hauptplatine verbunden, dazu kommt zusätzliche Logik für Adress- und Bankumschaltung. Nach dem Booten stehen mir etwas über 2,5 MB freier ST-RAM zur Verfügung. Für viele Programme ist das mehr, als sie jemals benötigen. Grafiksoftware, Tracker, Sample-Editoren oder umfangreiche Textsysteme können großzügig laden, ohne ständig an Speichergrenzen zu stoßen. Auch große RAM-Disks sind damit möglich, was den Alltag erheblich beschleunigt.

ACSI2STM als Festplattenersatz

An der Rückseite des ST steckt ein ACSI2STM. Diese kleine Box verhält sich aus Sicht des Rechners wie eine klassische ACSI-Festplatte, intern arbeitet sie aber mit einer SD-Karte. Der ST bootet direkt von diesem Gerät, Laufwerk C ist sofort vorhanden, und alle systemnahen Programme liegen fest installiert auf der Karte. Für mich fühlt sich der Rechner dadurch eher wie ein kleiner Arbeitsplatzrechner als wie ein Diskettensystem an. Installationen bleiben dauerhaft erhalten, Konfigurationen überleben jeden Neustart, und ich kann große Verzeichnisse strukturiert halten, ohne jemals über Platz nachdenken zu müssen. Die Zugriffszeiten liegen deutlich unter denen alter MFM- oder SCSI-Lösungen, und die Zuverlässigkeit ist bisher tadellos.

Gotek-Laufwerk für Disk-Images

Die perfekte Ergänzung zum ACSI2STM ist das Gotek-Laufwerk, das bei mir in einem Gehäuse auf der Tastatur steht und anstelle des externen Diskettenlaufwerks arbeitet. Es läuft mit FlashFloppy-Firmware und verwendet einen USB-Stick als Datenträger. Auf diesem Stick liegen die Disk-Images, die ich nach Bedarf auswähle. Im Alltag bedeutet das, dass ich zwei Welten gleichzeitig nutzen kann. Anwendungen und Daten liegen komfortabel auf der „Festplatte“ des ACSI2STM, während das Gotek alle klassischen Disketten abdeckt. Spiele, Demos, alte Tools oder Installationsdisketten rufe ich als Image auf und starte sie so, als hätte ich die reale Diskette eingelegt. Das Wechseln zwischen den Images geht wesentlich schneller als jeder echte Medienwechsel, und verschlissene Diskettenköpfe sind kein Thema mehr.

Gerade für die Kombination aus TOS 1.04 und älterer Software ist das Gotek die ideale Lösung. Viele Programme, die direkt von Diskette laufen möchten, fühlen sich unverändert an, der Komfort beim Handling hat sich aber massiv verbessert. Für Experimente mit verschiedenen Systemdisketten oder Test-Setups kann ich mir auf dem Stick eigene Image-Sammlungen anlegen und bei Bedarf durchschalten. Das alles nimmt einem natürlich den Charme eines Diskettenwechsels. Aus dem Grund habe ich auch noch ein externes Laufwerk, nur wegen der Nostalgie. Zudem ist das Gotek, wenn man viele hundert ST-Images besitzt, nicht sehr handlich.

Ein ST als Technikprojekt

Dieser Rechner ist für mich mehr als ein nostalgisches Objekt. Er zeigt, wie weit sich ein Atari ST mit überschaubarem Aufwand in die Neuzeit holen lässt, ohne seinen Charakter zu verlieren. Zwei wählbare Betriebssysteme, ein alternativer ROM-Modus, eine großzügige Speichererweiterung, moderne Massenspeichertechnik über ACSI2STM und ein Gotek als Diskettenersatz bilden zusammen ein System, das sowohl authentisch als auch praktisch ist. Ich nutze den Rechner inzwischen regelmäßig, weil er mir genau das bietet, was ich mir von einem aufgerüsteten ST erhofft habe: die alte Softwarewelt von Diskette, kombiniert mit den Komfortfunktionen eines festplattenbasierten Systems, verpackt in einem einzigen, erweiterten Originalgehäuse. Allerdings ist das natürlich auch mit Kosten verbunden. Die Erweiterung des ST war zwar bereits eingebaut, aber die Preise für die Aufrüstung sind auch nicht zu verachten:

Gotek-Laufwerk ca. 70 Euro
ACSI2STM ca. 50 Euro
Externes Laufwerk ca. 150 Euro
Verbindungskabel GOTEK ca. 50 Euro
Verbindugskabel Disklaufwerk ca. 50 Euro
USB-Adapter ca. 50 Euro

Und da wäre jetzt ein ST als Grundausstattung noch gar nicht mit dabei. Für einen funktionierenden, nicht stark vergilbten STE zahlt man inzwischen Preise bis zu 500 Euro. Das ist für mich ein Wahnsinn, dass es immer wieder Menschen gibt, die einen solchen Preis tatsächlich auch bezahlen! Das hier wäre meine Schmerzgrenze für Geräte, die teilweise fast 50 Jahre alt sind:

Gerät / Zubehör Preis
ATARI 520 120–180 €
ATARI 1040ST 150–230 €
ATARI 1040STE 280–380 €
ATARI MEGA ST1 220–300 €
ATARI MEGA ST2 260–330 €
ATARI MEGA ST3 280–350 €
ATARI MEGA ST4 300–450 €
ATARI TT 900–1500 €
ATARI Falcon 030 1800–2500 €
ATARI Falcon 040 2500–4000 €
Internes Diskettenlaufwerk 25–40 €
Externes Diskettenlaufwerk 50–120 €
Verbindungskabel Diskettenlaufwerk 15–25 €

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