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Happy Computer / Ausgabe 9 / September 1985

Computer der dritten Art 520 ST

Zwei Computer sorgen derzeit für hitzige Diskussionen in der Heimcomputerszene: Atari 520 ST und Commodore 128. Von GEM bis CP/M reichen die Schlagworte. Wir meinen: Beide sind auf ihre Art besonders stark. Je nachdem, welche Fähigkeiten man von einem Computer erwartet, kann entweder der Atari 520 ST oder aber der C 128 von Commodore die ideale Maschine sein. Besonders weil sie zwei grundverschiedene technische Konzepte repräsentieren, ist die richtige Wahl von Bedeutung. Der C 128 kann als Nachfolger des Commodore 64 angesehen werden. Mit seinem 128er-Modus und der CP/M-Fähigkeit stößt er in den unteren Business-Bereich vor und gehört mit seinem C 64-Modus gleichzeitig weiterhin zum Heimcomputer-Markt. Der Atari 520 ST hat keinen Vorgänger, er wurde völlig neu konzipiert und ist bestenfalls mit Apples Macintosh zu vergleichen. Seine Anwendungsmöglichkeiten reichen von der spielerischen Beschäftigung bis hin zum Einsatz als professioneller Computer mit Fähigkeiten, die so manchen Besitzer eines Personal Computer vor Neid erblassen lassen. Wo aber seine tatsächlichen Grenzen liegen, steht noch in den Sternen.

Aber die Technik des 520 ST macht nur einen Teil der Faszination aus. Erst der niedrige Preis löst das Kribbeln aus und rückt diesen High-Tech-Traum für viele Anwender in greifbare Nähe. Er verleiht Tramiel, dem eigenwilligen Boss von Atari, darüber hinaus aus Anwendersicht eine besondere Rolle. In der Marktführung der Branche zeigt sich hier eine bisher unbekannte Marktbedeutung.

Test

Seit unserem Test in Ausgabe 6/85 erreichte uns eine wahre Flut an Leserzuschriften und Telefonaten. Grundtenor: Wann gibt es den 520 ST endlich zu kaufen? Für alle Fragesteller hier gleich eine gute Nachricht: Es gibt diesen Supercomputer in einer Version für Softwareentwickler bereits im Handel – und sogar mit deutscher Tastatur. Zwar fehlt diesen ersten freiverkäuflichen Seriengeräten noch das ROM mit dem Betriebssystem – es sind nur zwei der sechs ROM-Sockel bestückt. Das Betriebssystem wird aber statt dessen auf Diskette mitgeliefert. Eine akzeptable Lösung, vor allem, da ein Teil dieser Systemsoftware, nämlich das TOS (Tramiel Operating System) noch verbessert wird und eine Diskette leichter ausgetauscht werden kann, als ein ROM. Später soll von Atari ein entsprechendes ROM mit dem endgültigen Betriebssystem zum Nachrüsten angeboten werden.

Programmiersprachen werden im ROM entgegen früheren Plänen nicht enthalten sein. Warum, das erklärt eine simple Rechnung: Das Betriebssystem TOS benötigt rund 64 KByte Speicherplatz, die Software für die Benutzerschnittstelle GEM belegt weitere 40 KByte, zusammen also 104 KByte. Das ROM besitzt 192 KByte Kapazität. In die noch unbelegten 88 KByte paßt aber weder das vorgesehene Personal-Basic mit seinen rund 100 KByte, noch DR Logo mit 110 KByte. Derzeit liefert Atari zum 520 ST nur die Programmiersprachen Logo und C mit. Das C-Paket ist für Softwareentwickler gedacht und dementsprechend umfangreich. Der Preis dieses Entwicklungspakets mit Hardware (Konsole, Laufwerk und Schwarzweiß-Monitor) liegt aber über 4000 Mark. Mit dem Betriebssystem und einigen Programmiersprachen allein wäre der 520 ST allerdings ein nutzloser Geselle. Erst passende Anwender-Software macht einen Com­puter nützlich. Je mehr Software, desto besser. Gerade der 520 ST mit der superkomfortablen Benutzeroberfläche GEM wurde für einen Anwenderkreis konzipiert, der fertige Software zu schätzen weiß. Als nächstes soll Personal-Basic folgen, das derzeit leider nur in einer Vorversion vorliegt.

Ein Hauch von Morgen

Atari hat wieder ein Profil: Das neue Flaggschiff 520 ST wurde in wenigen Monaten zur Traummaschine der Szene, vor allem für die Virtuosen unter den Freaks. Wir haben uns diesesmal bei den Softwarehäusern direkt erkundigt, was wann für den 520 ST zu erwarten ist. Die Reaktion war zurückhaltend, aber das ist aus kaufmännischer Sicht völlig normal, da der 520 ST immer noch eine unbekannte Größe am Markt darstellt. Verglichen mit der Softwareversorgung des Macintosh in dessen Anfangszeit, ist die Versorgungslage für den 520 ST sogar ausgesprochen gut zu nennen.

Zu den ersten verfügbaren Anwenderprogrammen zählen GEM-Paint und GEM-Write vom GEM-Hersteller Digital Research, die wir schon im Test vor einigen Monaten erwähnt haben. Bei GEM-Paint handelt es sich um ein Malprogramm. Es ist Apples Macpaint für den Macintosh sehr ähnlich, besitzt aber einige zusätzliche Fähigkeiten. So erlaubt es den Einsatz von maximal acht Farben, jede in vielen Farbabstufungen. Außerdem kann man bis zu zwei Bilder gleichzeitig bearbeiten, die miteinander gemischt oder aneinandergehängt werden dürfen. Das gestattet zum Beispiel den Ausdruck eines Bildes mit doppeltem Umfang. Die Bedienung erfolgt fast ausschließlich mit der Maus. Lediglich Text muß mit der Tastatur eingegeben werden.

GEM-Write ist ein Textverarbeitungsprogramm, das mit GEM-Paint eng zusammenarbeiten kann. So ist es möglich, zum Beispiel ein mit GEM-Paint gezeichnetes Wappen oder Firmen-Logo in GEM-Write zu übernehmen und in einen Brieftext als Kopf einzufügen. Zum Ausdruck benötigt man dann allerdings einen Matrixdrucker. An Textverarbeitungsfunktionen bietet GEM-Write alles, was wichtig ist. Im privaten Bereich lassen sich damit zum Beispiel schön gestaltete Briefe erzeugen, repräsentative Vereinsprotokolle für den Kegelklub oder endlich sauber gezeichnete Chemieaufgaben für die Schule. Im Studium oder im Betrieb wird man die Leichtigkeit zu schätzen lernen, mit der man Diagramme zeichnen und kommentieren kann.

Als ähnlich vielseitig könnte sich ein Tabellenkalkulationsprogramm von VIP erweisen, das für einen Bruchteil des Preises (in USA weniger als 200 Mark) praktisch alle Fähigkeiten des bekannten – und teuren – Business-Kalkulationsprogramms Lotus 1-2-3 aufweisen soll. Das Softwarehaus Rising Star will ihr umfangreiches Programmpaket Valdocs für den 520 ST umschreiben. Es besteht aus sogenannten Programm-Modulen und enthält eine Textverarbeitung, eine Tabellenkalkulation, ein Terminalprogramm (für DFÜ), eine Adreß- und eine Dateiverwaltung, Businessgrafik und einen Terminplaner, sowie zwei Zeichenprogramme, Valpaint und Valdraw (für CAD). Valdraw, die Tabellenkalkulation und das Terminalprogramm sollen schon in allernächster Zeit verfügbar sein. Bis zum Frühjahr 1986 werden dann die restlichen Module folgen. Die weltbekannte Softwarefirma Micropro wird ihre neue 16-Bit-Version des Bestsellers Wordstar für den 520 ST umsetzen. Dieses Wordstar 2000 hat mit der 8-Bit-Version (zum Beispiel für den C 128 und Schneider CPC 664) nicht mehr viel gemeinsam. Das Softwareunternehmen Microsoft, bekannt geworden durch das 16-Bit-Betriebssystem MS-DOS und den MSX-Standard, besitzt zwar ein 520 ST-Entwicklungssystem von Atari, wollte sich aber zum Zeitpunkt unserer Umfrage noch nicht dazu äußern, ob Programme für den 520 ST geplant sind.

Auch für die Spielefans werden einige Leckerbissen geboten. Vor allem Infocom scheint auf den 520 ST zu setzen. Kein Wunder, die hochkarrierten Textventures mit einem Hauch von Künstlicher Intelligenz verlangen geradezu nach einer »sophisticated« Hardware, die ihnen Atari mit dem 520 ST bietet. Derzeit sollen, laut Infocom, bereits alle 15 Textadventures umgeschrieben sein. Noch ein weiterer amerikanischer Softwareanbieter mit Format, Mindscape, wird demnächst einige Lehrprogramme in ST-Versionen anbieten.

Sicher tragen drei Umstände dazu bei, daß relativ schnell Software für den 520 ST zu erwarten ist. Erstens wurde GEM extra so konzipiert, daß Programme unter GEM leicht von einem Computer auf einen anderen zu übertragen sind. Und GEM läuft auch auf dem IBM-PC, für den es bekanntlich mehr als genug Programme gibt. Zweitens sind fast alle neueren Programme in C geschrieben. Da aber Atari klugerweise als allererste Software einen C-Compiler anbietet, kann der Sourcecode dieser Programme sehr einfach an den 520 ST angepaßt und compiliert werden. Drittens besitzt auch der Konkurrent Macintosh eine 68000-CPU, so daß eine Anpassung der Mac-Software ebenfalls relativ leicht ist. Der 520 ST, der uns für diesen Artikel zur Verfügung stand, wies einige Abweichungen gegenüber dem Modell für den letzten Test auf. So fehlten der Fernsehmodulator, die Hf-Anschlußbuchse und der Kanalwahlschalter. Nach Auskunft von Atari werden, entgegen früheren Plänen, auch die zukünftigen ST-Modelle keinen derartigen Modulator besitzen. Dadurch ist es auch nicht möglich, ein Fernsehgerät als Sichtgerät anzuschließen. Sinnvoll ist das ohnehin nicht, da die Wiedergabequalität eines Fernsehgeräts für die exzellente Auflösung von maximal 640 x 400 Punkten des 520 ST bei weitem nicht ausreicht.

Kein Modulator für schlechte Bilder

Außerdem sind lediglich zwei der sechs Sockel für die ROMs bestückt. Diese beiden ROMs enthalten eine Art Minibetriebssystem mit einer Boot-Routine. Mit ihrer Hilfe lädt der 520 ST nach dem Einschalten das TOS und GEM von der Diskette in den Speicher. Dieser Vorgang dauert rund 35 Sekunden. Dies ist erstaunlich lange, wenn man bedenkt, daß die Übertragungsgeschwindigkeit des SF354-Diskettenlaufwerks immerhin 250 KBit pro Sekunde beträgt. Ein im 520 ST eingebauter DMA-Controller (Direct Memory Access) sorgt außerdem für geringe Wartezeiten beim Laden von Programmen. Er bewirkt, daß bei Zugriffen auf Diskette, Festplatte oder andere externe Massenspeicher die 68000-CPU nicht unnötig belastet wird. So kann der 68000-Prozessor beispielsweise ein Sortierprogramm abarbeiten, während der DMA-Controller gleichzeitig den RAM-Speicher mit neuen Daten versorgt. Dadurch sind sogar sehr zeitkritische Echtzeitanwendungen mit gleichzeitiger Meßwerterfassung und Meßdatenauswertung vorstellbar. Herkömmliche Computer müßten in solchen Fällen die Programmabarbeitung unterbrechen und die Daten laden, bevor sie mit der Auswertung fortfahren könnten.

Das hebt den 520 ST deutlich von seinen Konkurrenten ab, da selbst weitaus teurere Personal Computer nicht immer über einen DMA-Anschluß verfügen. Neben einer Centronics- und einer RS232-Schnittstelle mit maximal 9600 Baud Übertragungsgeschwindigkeit besitzt der 520 ST noch einen Midi-Anschluß mit 31250 Baud. Bei Midi handelt es sich um eine für Musikanwendungen entwickelte Norm für eine serielle Schnittstelle.

Nach so viel Lob wollen wir aber auch ein paar kritische Anmerkungen zur Hardware nicht unterdrücken.

Atari bezeichnet den 520 ST als Personal Computer für den professionellen Einsatz. Wir meinen, dem widersprechen einige Eigenschaften. Zwar liegen die Fähigkeiten des 520 ST noch über denjenigen der meisten Personal Computer, aber getrennte Netzteile und Diskettenlaufwerke mit dem daraus resultierenden Kabelsalat sind im Bürobetrieb nicht akzeptabel. Hier soll eine 520 ST-Version geplant sein, in die wie beim US-Modell 260 ST ein Laufwerk auf der linken Konsolenseite bereits fest integriert ist. Damit entfallen wenigstens zwei Kabel. Auch ein in die Tastatur integrierter Computer entspricht eher einem Heimcomputer als einer Maschine für den Alltag einer Sekretärin, zumal die Tastatur dadurch nach ergonomischen Gesichtspunkten recht hoch ausgefallen ist. Generell stört das Fehlen von Anschlüssen für Zusatzkarten innerhalb des Computers. Wo herkömmliche Personal Computer mit möglichst vielen solchen Anschlüssen protzen, bietet der 520 ST lediglich einen Bus für ein externes Modul. Sage niemand, der 520 ST benötige keine Steckplätze für Erweiterungen, weil er schon alles besitzt. Er wäre der erste Computer der Geschichte, zu dem den Hardwarebastlern nichts Sinnvolles mehr einfiele.

Ganz im Gegensatz dazu steht die Qualität der Textdarstellung besonders auf dem Schwarzweiß-Monitor, die an sündteure reine Textverarbeitungsanlagen heranreicht und damit weit über derjenigen normaler Personal Computer liegt. Auch die leichte Bedienbarkeit durch GEM prädestiniert den 520 ST für alle Anwender, die keine Technikfreaks sind, also auch für den Profianwender im Büro. Dieses GEM haben wir bereits im Juni kurz vorgestellt. Die Abkürzung bedeutet »Grafics Environment Manager«. Das Programm stammt von Digital Research, dem Softwarehaus, das schon einmal einen Standard schuf, nämlich CP/M. Bei GEM handelt es sich weniger kompliziert ausgedrückt um ein Programm, das aus der Sicht des Anwenders die komplizierten Befehle üblicher Betriebssysteme in kleine Symbole verpackt, auf die man nur noch mit der Maus zu deuten braucht und – klick – schon führt der Computer den Befehl aus. Das klingt so einfach wie es ist! Der Bildschirm wird außerdem mit GEM zu einer Art Schreibtisch, auf dem Akten aufgeschlagen werden, sobald man etwas sucht. Diese »Akten« sind Arbeitsfenster (englisch »windows«). Will man einen solchen Akt löschen, »wirft« man ihn »weg«, indem man das Symbol anklickt und auf den Abfalleimer schiebt.

Wenn's ohne Handbuch geht

Sobald sich GEM nach dem Booten im Speicher befindet, meldet sich das System. In der oberen linken Bildschirmecke erscheinen dann die Symbole zweier Karteikästchen für die Floppy-Laufwerke A und B und eines kleinen Abfalleimers links unten. Am oberen Rand befindet sich zusätzlich eine Zeile mit den Menüpunkten »Desk«, »File«, »View« und »Options«. Hinter jedem dieser Wörter verbirgt sich ein ganzes Untermenü, das wie ein Rollo nach unten ausgerollt wird, sobald der Cursor über das jeweilige Wort gleitet. Man nennt das Pull-Down-Menü. Ein für die Demonstration der Fähigkeiten von GEM besonders geeigneter Menüpunkt ist unter »Options« zu finden, nämlich »Print Screen«. Hierbei handelt es sich um eine eingebaute Hardcopy-Funktion, die jederzeit aufrufbar ist und verblüffend perfekte Druckkopien erzeugt. Um diese Funktion zu testen, haben wir an die Centronics-Schnittstelle einen weitverbreiteten Matrixdrucker angeschlossen, den Epson FX 80. Nach einer einfachen Anpassung der Punktezahl pro Zeile an die Auflösung des FX 80 klappte der Ausdruck auf Anhieb. Dazu reichte es das richtige Feld im Menü »Install Printer« anzuklicken.

Etwas verwirren kann den Anwender, daß abweichend von den gewohnten Betriebssystemen ein Befehl zum Kopieren von Disketten zu fehlen scheint. Unter keinem Piktogramm zur Systemdiskette steht »Diskcopy« oder ein ähnlicher Begriff. Die Lösung ist aber einfach: Man kann eines der Diskettensymbole mit der Maus anklicken und bei gedrückter Maustaste hin- und herbewegen. Zieht man dann ein solches Diskettensymbol auf das zweite, färbt sich dieses ebenfalls schwarz. Nach dem Loslassen der Maustaste baut sich in der Mitte des Bildschirms ein Fenster auf, in dem ein Schriftzug den Kopiervorgang von Diskettenlaufwerk A auf Laufwerk B – oder umgekehrt – ankündigt. Nach dem Anklicken des »Ok«-Feldes beginnen dann die Diskettenlaufwerke zu arbeiten. Durch zwei Balken wird man darüber informiert, wieviel von der Originaldiskette schon gelesen und wieviel bereits auf die Zieldiskette übertragen wurde. Bei vollen Disketten wird man gerade diesen ungewöhnlichen »Service« zu schätzen lernen. Der Kopiervorgang erfolgt in zwei Schreib-/Lesezyklen.

Schnelligkeit mit 16 Bit

Für diesen Test stand uns bereits eine gegenüber dem letzten Test deutlich verbesserte GEM-Version zur Verfügung. Die Arbeitsfenster bauen sich blitzschnell auf. Jetzt kommen die Taktfrequenz von 8 MHz und die 32 Bit-Operationen des 68000 voll zum Tragen. Selbst auf dem IBM-PC mit dem 8088-Prozessor arbeitet GEM sichtbar langsamer. Die eigentlich faszinierende Erfahrung im längeren Umgang mit dem 520 ST ist aber gar nicht so sehr diese Geschwindigkeit, die man schon nach kurzer Zeit als selbstverständlich hinnimmt. Es ist vielmehr die Mühelosigkeit des Umgangs, die den Computer »symphatisch« machen. Der entscheidende Unterschied beim 520 ST zu den anderen Computern, liegt also in der Anpassung der Computerbedienung an die Gewohnheiten und Bedürfnisse der Menschen, und nicht umgekehrt. Diese Entwicklung bezeichnet man auch als »Human Engeneering«.

Dazu trägt neben der Hardware (zum Beispiel der wundervoll klare Schwarzweiß-Monitor) vor allem die Software bei, nämlich GEM. So gesehen sollte man GEM nicht als zusätzliches Bonbon betrachten, sondern als mindestens gleichwertigen Bestandteil des gesamten Systems. Schon nach dieser kurzen Zeit darf man sagen, daß GEM ohne Atari und den 520 ST nicht halb so große Popularität erlangt hätte, als es jetzt besitzt. GEM wurde erst mit dem 520 ST zum Branchenhit. Ein schlagender Beweis dafür, daß inzwischen der von den Profis oft belächelte Heimcomputeranwender wichtige Neuerungen schneller erkennt und akzeptiert als jene, denen Computer zwar eine tägliche aber lästige Pflicht sind. Es zeigt aber auch, daß im Heimbereich ein steigendes Verlangen nach so exzellenten Maschinen wie den 520 ST vorhanden ist.

Glücklicherweise plant Atari keine 128-KByte-Version des ST. Eine solche geringe Ausstattung würde dem technischen Konzept sowohl von der Hardwareseite her, wie auch in Hinblick auf die Software nicht gerecht. Ein Computer mit 68000-CPU und 128 KByte RAM gliche einem Jumbo mit einem Triebwerk. Solche Lösungen sollte man ruhig aufgepeppten 8-Bit-Computern überlassen. Atari soll aber entgegen anders lautenden Äußerungen in USA planen, auch in Deutschland einen 260 ST mit 256 KByte RAM anzubieten. Dies wäre ein akzeptabler Kompromiß, vor allem, wenn der Preis dem in den USA (unter 500 Dollar mit eingebautem Diskettenlaufwerk) entsprechen sollte.

(wb/lg) (c) Ausgabe 9/September 1985

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