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Wie EpiCooler & Co. abkassieren

Kaum steigen die Temperaturen, tauchen sie überall auf: Werbeanzeigen für angeblich revolutionäre Mini-Klimaanlagen, die ganze Räume „in wenigen Minuten" herunterkühlen sollen – ohne Abluftschlauch, ohne Montage, ohne Außengerät. Ein Gerät, „das die Klimabranche geheim halten will", zum sensationellen Aktionspreis. Eines dieser Produkte heißt EpiCooler. Ich habe mir die Sache genauer angeschaut – und was dabei herauskommt, ist ein Lehrstück in Sachen Dropshipping-Betrug.

Das Versprechen

Die Anzeigen laufen über Facebook, Instagram, YouTube, Google und über sogenannte Native-Ad-Netzwerke, die Werbung als „empfohlene Artikel" unter seriöse Nachrichtenseiten schmuggeln. Der Klick landet auf einer aufwendig gestalteten Verkaufsseite mit Countdown-Timer, „nur noch wenige auf Lager", angeblichen Kundenstimmen und Fünf-Sterne-Bewertungen. Versprochen wird eine Abkühlung um zehn Grad und mehr, ein winziger Stromverbrauch und Kühlleistung „wie eine echte Klimaanlage". Der Preis liegt meist zwischen 70 und 150 Euro. Das Ganze ist begleitet von einer rührenden Gründergeschichte – mal ist es ein Ingenieur aus München, der seine Mutter bei einer Hitzewelle beinahe verloren hätte und deshalb dieses „günstige Wundergerät" entwickelt habe. Klingt nach cleverem Marketing. Ist aber frei erfunden.

Die Realität: Es ist ein Heizlüfter

Der Haken steckt in der Physik. Ein Gerät, das einen Raum tatsächlich kühlt, muss Wärme aus diesem Raum hinaustransportieren – nach draußen, über einen Abluftschlauch oder ein Außengerät. Dafür braucht es einen Kompressor und ein Kältemittel. Genau das haben diese Geräte nicht. Ohne Abluft kann keine Wärme abgeführt werden – die vielbeschworenen „12.000 BTU Kühlleistung" sind bei einem geschlossenen Kästchen ohne Schlauch schlicht unmöglich. Der ZDFheute-Faktencheck bringt es auf den Punkt: Diese Geräte transportieren keine Wärme, also können sie einen Raum auch nicht kühlen. Was steckt also wirklich drin? Eine Bilderrückwärtssuche führt direkt zum chinesischen Großhandel. Dort werden die optisch identischen Produkte offen als das verkauft, was sie sind: PTC-Heizlüfter mit Ventilatorfunktion. „PTC" bezeichnet ein Keramik-Heizelement. Diese „2-in-1"-Geräte haben zwei Betriebsarten:

  • Heizen: Ein 1.800-Watt-Heizdraht glüht – klassischer Heizlüfter.
  • Kühlen: Der eingebaute Lüfter läuft mit gerade einmal 5 bis 35 Watt. Das ist die Leistung eines simplen Ventilators, der nur Luft umwälzt.

Der „Kühlmodus" ist also nichts anderes als ein Ventilator. Und ein Ventilator senkt die Raumtemperatur nicht – er sorgt nur dafür, dass sich bewegte Luft auf der Haut kurz angenehmer anfühlt (Verdunstungseffekt). Das Thermometer im Raum fällt dadurch nicht; der Motor gibt sogar minimal zusätzliche Wärme ab. Kurz gesagt: Man kauft einen umettikettierten Heizlüfter, der einem im Hochsommer bestenfalls etwas Wind ins Gesicht bläst.

Der Preis-Beweis: 10 Euro rein, 150 Euro raus

Jetzt kommt der eigentliche Skandal. Dieselben Geräte findet man auf der Großhandelsplattform Alibaba – dort, wo die Dropshipper einkaufen. Ein baugleiches „1800W 2-in-1"-Gerät wird dort für 10 Euro angeboten! Der Stückpreis solcher Modelle liegt im Großhandel bei rund 5 bis 15 Euro – teils sogar bei nur 5,60 US-Dollar ab zwei Stück Mindestabnahme. Genau dieses 10-Euro-Kästchen wird auf den Werbeseiten für über 150 Euro als „Wunderklimaanlage" verkauft. Die komplette Gewinnspanne des Betrugs liegt damit offen auf dem Tisch: Ware für 10 Euro, Verkaufspreis das Fünfzehnfache – für ein Gerät, das genau das Gegenteil von dem tut, was beworben wird.

Die Tricks im Baukasten

Diese Masche ist keine Einzelaktion, sondern industrialisiert. Ein paar wiederkehrende Muster, die man kennen sollte:

Viele Namen, ein Betrug. Die Anbieter betreiben ganze Rudel nahezu identischer Shops, die sich oft nur im Namen unterscheiden. Neben EpiCooler kursieren unter anderem Coolizi, BreezaMax, AirZuma, AiraBreeze, Cooling Ace, HydroChill und ein Dutzend weiterer Fantasienamen. Wird ein Shop gesperrt, macht der nächste unter neuem Namen weiter.

Werbung im Industriemaßstab. Nach ZDF-Recherchen wurden allein für EpiCooler innerhalb weniger Wochen rund 20.000 Facebook-Anzeigen geschaltet. Die schiere Masse sorgt dafür, dass einem dieselbe Botschaft ständig begegnet – und Wiederholung wirkt vertrauenswürdig.

KI-Bilder und erfundene Rezensionen. Die „Kundenfotos", die begeisterten Erfahrungsberichte und teils sogar die abgebildeten „Ingenieure" sind KI-generiert oder Stockmodelle. Manche Seiten geben das im Kleingedruckten sogar selbst zu: Ganz unten heißt es dann sinngemäß, die Website sei eine Werbeanzeige und keine echte Nachrichtenseite, alle gezeigten Personen seien Modelle.

Fake-Testberichte. Sucht man nach „EpiCooler Test" oder „Erfahrungen", landet man reihenweise auf Seiten, die aussehen wie unabhängige Testportale – und die dem Gerät natürlich Bestnoten geben („4,7 von 5 Sternen bei 1.889 Bewertungen"). Auch diese „Tests" gehören zur Maschinerie und verlinken direkt auf den Verkaufsshop.

Geliehene Glaubwürdigkeit. In manchen Anzeigen tauchen Logos bekannter Händler oder Medien auf, um Seriosität vorzutäuschen – ohne dass diese etwas mit dem Produkt zu tun hätten.

Woran du einen solchen Fake-Shop erkennst

Ein paar Warnsignale, die praktisch immer zutreffen:

  • Unrealistische Kühlversprechen ohne Abluftschlauch oder Außengerät. Physik lässt sich nicht austricksen.
  • Große Schlagworte wie „revolutionär", „NASA-Technologie", „Weltraumtechnik" oder „von Ingenieuren entwickelt" – bei gleichzeitig fehlenden oder schwammigen technischen Daten.
  • Künstlicher Zeitdruck: Countdown-Zähler, „nur noch 3 auf Lager", ablaufende Rabatte.
  • Rührende Gründerstory mit anonymem Erfinder.
  • Kein sauberes Impressum, keine erreichbare Firmenanschrift, Bezahlung nur per Vorkasse.
  • Auffällig makellose Bewertungen direkt auf der Verkaufsseite, aber nichts Unabhängiges bei Google.

Ein schneller Gegentest: Produktfoto speichern und eine Bilderrückwärtssuche machen. Taucht dasselbe Gerät auf Alibaba oder AliExpress als billiger Ventilator oder Heizlüfter auf, ist die Sache klar.

Was tun – und was wirklich hilft

Wer bereits bestellt hat, sollte prüfen, ob die Zahlung über den Käuferschutz (PayPal, Kreditkarte) rückholbar ist, und den Fall bei der Verbraucherzentrale bzw. bei Portalen wie Watchlist Internet oder mimikama melden.

Wer tatsächlich Kühlung braucht, hat nur zwei physikalisch ehrliche Optionen: ein mobiles Monoblock-Klimagerät mit Abluftschlauch oder eine fest installierte Split-Klimaanlage – beide mit Kompressor und Kältemittel. Für den kleinen Geldbeutel bewegt zumindest ein ordentlicher Ventilator oder ein Verdunstungs-Luftkühler die Luft spürbar – sie kühlen den Raum zwar nicht herunter, kosten aber auch nur einen Bruchteil und geben nicht vor, etwas anderes zu sein.

Und der „EpiCooler"? Der ist, nüchtern betrachtet, ein 10-Euro-Heizlüfter im schicken Gehäuse. Als Klimaanlage ist er das genaue Gegenteil dessen, was man im Sommer braucht.

Quellen und weiterführende Links

Hinweis: Die genannten Markennamen dienen der Aufklärung. Prüfe Angebote im Zweifel immer selbst und bestelle nicht unter Zeitdruck.

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